Geburtstag von J. läuft in letzter Zeit so ab: Wir sind bei ihren Eltern, erinnern diese daran, dass ihre Tochter Geburtstag hat. „Ach ja.“ Kurze Gratulation. Dann meist Tendenz, normal weiter im Text zu machen. Immerhin bekommt man die Eltern trotzdem mal ohne Schwierigkeiten aus dem Haus, weil das Geburtstagskind sich das wünscht. Ausflug, Essen und Kaffee, „ach wie schön“.
Küstenwechsel, zur Tochter nach Stockholm. Macht Freude und stellt, wie man vielleicht aus obigem Text schließen kann, eine Auszeit dar.
Der X2000 fährt pünktlich in Göteborg los und kommt +70 Minuten in Stockholm an. Ein Zug vor uns war liegengeblieben. Auf der Strecke gewendet und im zurückliegenden Bahnhof angekommen, geht es doch auf selbem Gleis weiter, da die Störung beseitigt wurde. Die Pünktlichkeit also wie in Deutschland, die große Gelassenheit und Ruhe im Zug aber anders. An Einfachheit und Schnelligkeit der Erstattung sollte sich die DB ein Beispiel nehmen.
Aufregender Samstag: Früh raus, mit Tunnelbanan zum Odinsplan, zu Fuß zum Parkrun im Hagapark. 160 Teilnehmer und schöne Laufstrecke. Mein 10. Ort bei einem Parkrun. Duschen, was essen, Hunderunde und dann ohne Hund in die Stadt. Slussen, Gamla Stan, Schloss, bei Volvo zu einer Ausstellung der Craft Week. Zum Kulturhuset, drei Freunde von L. stoßen dazu. M. ist so nett, nach Hause zu fahren und Hundesitter zu spielen. Im Theater Klarascenen sehen wir „Studier i mänskligt beteende“. Wenn mir früher einer gesagt hätte, ich würde mal in Stockholm ins Theater gehen und alles verstehen, dann hätte ich ihn ausgelacht. Ein netter Abend.
Ich werde die restlichen Stockholmer Tage mehr zusammenfassen: Besuch bei Cornershop mit afrikanischer Gastköchin, wie immer gut. Bei Bauhaus u.a. eine drei Meter lange Gardinenstange kaufen. Über Kopf Löcher in Beton bohren, andere Sachen aufhängen, alte Löcher spachteln, mit Spachtelmasse Lücken in Bodenleisten nachformen. Gipsimitation von Holzleisten mit aus Tetrapack geschnittener Vorlage. Klappt ganz gut. Besuch von Fotografiska und Nationalmuseum (gutes Museumsrestaurant). Viel gesehen, gutes Essen, viel quatschen und gute Stimmung.
Abschied, nicht schlimm, aber nie einfach. Vor Katrineholm erwischt der X2000 einen Elch. Chaos fürs Personal. +54 Minuten in Göteborg. Dort mache ich ein Foto vom lädierten Zug, an dem Teile fehlen. In Schwarzweiß, sonst wäre es ein blutiges Bild geworden.
„Zwischentag“ in Göteborg. Die Schwiegereltern hatten einen Ausflug gebucht, so dass wir entgegen Erwartung alleine sind. Wir sind nicht die quicklebendigsten, aber „elternfrei“ motiviert auch in hohem Alter. Staubsaugen, nass aufwischen, kaputte Birne ersetzen, Lampenschirm waschen, Computer updaten, auf dem Tablet 260 Tabs schließen und andere Dinge tun, damit das Teil nicht noch weiter in die Knie geht. Ausflug zum Röhsska, gute Ausstellung und nochmal ein gutes Museumsrestaurant. Und dann reicht es sogar noch für 5 km Abschiedslauf.
Die Heimreise würde ich ja überspringen, aber Regionalzugausfall ab Kiel, entern eines früheren ICE in letzter Sekunde und Sardinentransport nach Hamburg will ich schon erwähnen. Ab dort lief es dann gut. Aber nur, weil wir durch die Aktion in Kiel unseren reservierten Zug erreichten.
Die restlichen Tage des Monats kann ich mit „Alltag“ abtun. Über Coffeeneuring berichte ich hier ja bereits breit. Eine Betriebsversammlung sticht bei der Arbeit heraus, wobei die Botschaften bei vielen, die ich mit dem Kopf schütteln sehe, wenig Optimismus erzeugen. In den letzten Tagen des Monats kommen Verwandte aus Schweden, 2 Erwachsene mit 2 Kindern, zu Besuch. Die Fahrzeit Fähre und Auto ist länger als die Aufenthaltszeit bei uns. Aber wir haben das Beste aus der Zeit gemacht, viel gezeigt, erlebt, geredet.
Gelesen: Daniel Weißer „Null Eins Zwei“ (gut, weil so anders)
Gesehen: Ladies first (gut), Infinite (schlecht), Einmal was schönes (gut), She said maybe (sehr schlecht), Mickey 17 (gut, weil so gar nicht wie andere SciFy-Filme), letzte Staffel „Lupin“ (brauche wenig Realität in Filmen, aber hier hat man es übertrieben).
Auch gesehen: Konzert von Anna Lapwood bei arte (gut, obwohl Orgel nicht zu meinen Lieblingsinstrumenten gehört).
